AuchGut! > Blog

2010-07-26 17:59 (Kommentare: 0)

Alles ist so beliebig geworden, so oberflächlich und so vorhersehbar.

Die Ölpest im Golf von Mexiko ist eine Katastrophe, Tschernobyl war ein Katastrophe, aber in Duisburg, das war keine Katastrophe. Ein Unglück, ein Unfall, ja, möglicherweise eine grobe Fahrlässigkeit der an der Planung Beteiligten, aber ein Katastrophe?
Nachdem sich dann zunächst die ganze Gesellschaft an den Bildern aufgegeilt hat und diverse sogenannte Experten ihre Analysen in die öffentliche Meinung gespuckt haben, kommen logischerweise die Reaktionen unserer politischen Elite: Rückhaltlose Aufklärung fordert sogar der Bundespräsident. Er muß es wissen als Bundespräsident, genau wie die Bundeskanzlerin es wissen muss, die sich ähnlich geäußert hat: In unserem Rechtsstaat scheint die rückhaltlose Aufklärung keine Selbstverständlichkeit zu sein, unsere Leistungsträger müssen sie für uns einfordern. Aufklärung ist also ein Gnadengeschenk unserer Eliten und kein garantiertes Recht.
Ich habe mich daran gewöhnt, dass Politiker regelmäßig verschiedene Arten von Aufklärung fordern: brutalstmögliche, lückenlose, ausnahmslose. Und ich habe mich daran gewöhnt, diese Floskeln, die nur der Selbstdarstellung dienen, nicht ernst zu nehmen. Aber von einem Bundespräsidenten erwarte ich mehr Inhalt! Ist es denn zuviel verlangt, wenn ich mir wenigstens an der lediglich repräsentativen Spitze meines Landes einen Menschen wünsche, der intelligente Dinge sagt? Ich verlange ja nicht, dass sie mit meiner Meinung übereinstimmen, es würde mir völlig reichen, wenn er auf inhaltslose Floskeln eines Technokraten verzichten würde.
Aber ich wohne wohl nicht mehr im Land der Dichter und Denker, ich wohne im Land der Technokraten, der Inhaltslosigkeit. In einem Land, in dem alles beliebig ist, oberflächlich und vorhersehbar.

 

 

 

Zurück

Einen Kommentar schreiben

  • Bookmark and Share