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2011-07-13 08:20 (Kommentare: 0)

Dank an Herrn zu Guttenberg

Was der Fall zu Guttenberg ins Rollen gebracht hat, kann man kaum zu gut bewerten. Denn durch den Eifer der Plagiatsjäger und die mediale Aufmerksamkeit, die ihnen gewährt wird, kommen Tatsachen ans Licht, die die Ursache für so viele Dinge sind, an denen unsere Gesellschaft kränkelt.

Es wird deutlich, dass nicht nur im Supermarkt, sondern auch in den meisten anderen Bereichen unseres Lebens die Verpackung für wichtiger gehalten wird als der Inhalt.

Je besser jemand sein Selbstmarketing beherrscht, desto weniger Fachwissen benötigt er, um sein Ziel zu erreichen. Übertreibungen im Lebenslauf werden nicht mehr als Betrugsversuch gewertet, sondern als besondere Fähigkeit. So hat sich in den vergangenen Jahrzehnten im Biotop des freien Marktes eine Evolution in Gang gesetzt, wie wir sie vorher nur aus der Werbung kannten. Als natürliche Folge sind wichtige Positionen in unserem Land jetzt von den Charakteren besetzt, die sich im survival of the fittest durch besonders dreiste Lügen und Übertreibungen bis hin zum Betrug an die Spitze durchgelogen haben.

Und dies ist die Antwort auf meine mir selbst so oft gestellte Frage, wie es diese bildungsferne Schicht geschafft hat, unsere Parlamente zu besetzen.

Tragisch ist, dass diese persönlichen Verhaltensweisen sich in der Politik fortsetzen. Ganz abgesehen davon, dass ein Mangel an Kompetenz vertuscht werden muss, wird bei politischen Entscheidungen zunehmend auf die mediale Wirkung geachtet und nicht auf die Konsequenzen für das Land. Sogar die Auswahl des politischen Personals wird offensichtlich nach diesem Gesichtspunkt getroffen. Schließlich hatte Frau Merkel die Rücktrittsforderungen bezüglich zu Guttenberg mit dem Argument zurückgewiesen, sie habe ihn nicht im Kabinett wegen des Doktortitels, sondern wegen seiner menschlichen Eigenschaften.

Die Plagiatsjäger haben gezeigt, dass zu Guttenberg kein Einzelfall ist, sondern eher das Symptom eines fehlerhaften Systems.

Deshalb und weil ich befürchte, dass diese Auswahlkriterien nicht beim politischen Personal enden, sondern dass inzwischen wichtige Eckpfeiler in unsere Bildungslandschaft geschlagen wurden, wünsche ich mir eine Überprüfung der fachlichen Kompetenz und des wissenschaftlichen Verantwortungsbewußtseins sämtlicher Lehrkörper an öffentlich finanzierten Universitäten.

Die Reparatur unseres Bildungssystems scheint mir die höchste Priorität zu verdienen.

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