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2010-09-27 18:03 (Kommentare: 0)

Gedanken zum freien Markt

„Der freie Markt wird es schon richten“, das ist der Psalm, nach dem unsere moderne Welt lebt und handelt. Wie ein Mantra wird er uns von allen Seiten um die Ohren gehauen und Alles, was nicht funktioniert wird darauf zurückgeführt, dass er noch nicht frei genug sei, dass der Markt in seiner Freiheit beschnitten werde.
Was für eine Pervertierung des Begriffes Freiheit, der nur die Freiheit derjenigen meint, die in der Lage sind, den Markt zu lenken.
Sie behaupten, dass es allen besser gehen wird, wenn es nur ihnen selbst möglichst gut geht. Es gibt genug fadenscheinige Begründungen für diese Behauptung: Weil wohlhabende Menschen ihr Vermögen investieren, schaffen sie Arbeitsplätze. Weil sie durch ihren Konsum die Wirtschaft ankurbeln, erhalten immer mehr Menschen einen Arbeitsplatz.
Aber diese Behauptungen vernachlässigen das Motiv des freien Marktes, welches ja nur die Summe der Motive seiner Agitatoren ist. Und dieses Motiv – da befinde ich mich nicht einmal im Widerspruch zu den Propagandisten dieses freien Marktes – ist nichts Anderes als die Gier. Leider wird die Gier nicht durch Reichtum befriedigt. Kein gieriger Mensch wird irgendwann sagen: Jetzt habe ich genug. Die Gier wird nur durch den Akt des Besitz Erlangens befriedigt. Und diese Befriedigung hält nur kurz an, muss immer wieder aufs Neue gefüttert werden. Nicht nach Glück und Geborgenheit strebt die Gier, sondern nach mehr, nach immer mehr.
Warum also sollten die Agitatoren des freien Marktes ihren Reichtum teilen? Natürlich investieren sie, konsumieren sie, aber die Arbeitsplätze, die sie schaffen, müssen sich ihren Regeln unterordnen. Damit die Gier befriedigt werden kann, müssen die Arbeitsplätze immer schäbiger bezahlt, Produkte immer billiger produziert und der Allgemeinheit gehörende Ressourcen dieser Welt unter immer widerwärtigeren Umständen ausgebeutet und privatisiert werden. Und der Wohlstand wächst bei denen, die bereits wohlhabend sind, weil sie die Preise diktieren. Der Kunde ist schließlich König.
Der freie Markt hat den Diebstahl an Schwächeren legalisiert, die sich mit schlechtem Gewissen über z.B. Hartz IV genannte Almosen über Wasser halten müssen. Dieses völlig ungerechtfertigte schlechte Gewissen wird dadurch geschürt, dass ihnen vorgeworfen wird, sie würden den freien Markt behindern.
Das passende Gefühl wäre der Zorn!
Zorn über die Zerstörung der Welt, Zorn über die Zerstörung der Gerechtigkeit, Zorn über die gestohlene Freiheit.
Denn niemand kann sich den allgegenwärtigen Regeln des freien Marktes entziehen, auch die letzte einsame Insel, auf die man sich zurückziehen könnte, wird irgendwann privatisiert und verkauft werden, wenn sie nicht vorher durch vom gierigen Markt verursachte Klimaveränderungen abgesoffen ist.
Der freie Markt ist nichts anderes, als ein Dieb, ein Wegelagerer, der sich alles einverleibt, was eigentlich allen gehören sollte, ob das nun Uferwege am Potsdamer Griebnitzsee sind oder essbare Pflanzen, die er sich patentieren lässt.
Zuerst hat die Gier die Vernunft gefressen, jetzt holt sie sich den Rest.
Insofern stimmt das zu Beginn zitierte Hohelied: Der freie Markt hat sich schon längst zum Richter erhoben. Leider richtet er wie ein Despot und lässt seine Urteile von seinen Lakaien entweder als alternativlos oder als segensbringend verkaufen.
Ja, verkaufen... was sonst?

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