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2011-02-18 12:23 (Kommentare: 0)

Plagiate

Unser Song "Politiker" bleibt aktuell, zeitlos und passt immer besser, dabei war er mal satirisch gemeint. Aber die Realität hat den Zynismus wie so oft schon längst überholt.

Er kam mir schon immer wie ein Plagiat vor, wie ein Abziehbild, in einer Großdruckerei nach lange erforschten Kriterien hergestellt und nach industriellen Maßstäben gefertigt und perfektioniert.

Eine nicht nur an den Haaren glänzende, aalglatte Oberfläche, an der alle Makel und aller Schmutz hilflos abperlen, hinunterlaufen in die Gosse, über die er sich erhoben hat. Und es hat ja auch sehr gut funktioniert. Er ist der Vorzeigepolitiker einer modernen, mediengerechten Gattung, deren Äußerlichkeiten weit wichtiger sind als geistreiches Handeln. Es scheint fast, daß im Optimierungsprozeß zum perfekten Politiker alle Ressourcen auf Äußerlichkeiten verwendet wurden. Er ist der Repräsentant, der die Produkte anderer in der Öffentlichkeit vertritt, der als Minister Gesetzentwürfe von Privatunternehmen schreiben lässt und nicht versteht, warum dies anrüchig sein sollte. Er tut dies schließlich in guter Tradition. Schon seine Doktorarbeit - so scheint es - hat er aus Texten von anderen Menschen, die sich mit der Materie besser auskennen, zusammengetragen. Summa cum laude hat er sie und seine Prüfer vorgeführt. Man kann es ihm nicht verübeln, er hat nichts anderes gelernt, er ist Repräsentant. Und für einen ordentlichen Adelssohn gehört ein Doktortitel zum guten Erscheinungsbild. Und man sollte nicht von ihm erwarten, dass er neben all dem Repräsentieren auch noch Zeit für eigene Gedanken hat. Für eigene Gedanken hat ein Repräsentant, der kontinuierlich darauf bedacht ist, eine gute Figur zu machen, keine Zeit. Es müssen ja nicht nur der Sitz von Haaren und Jacket permanent kontrolliert werden, sondern ganze Medienkampagnen müssen sorgsam vorbereitet und perfekt durchgeführt werden.

Gerade jetzt, wo das lange gepflegte Image des ehrlichen Saubermannes von nebenan so sehr in Gefahr zu sein scheint, müssen die Gegenmaßnahmen sehr gut überlegt sein! Es geht schließlich nicht mehr um unser aller Freiheit am Hindukusch oder ein paar belanglose Soldatenleben, sondern hier ist ganz klar die sicher geglaubte Kanzlerschaft in Gefahr.

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