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2010-11-17 09:36 (Kommentare: 0)

Warum wir Exportweltmeister sind

Gestern habe ich unsere Band T-Shirts von der Druckerei abgeholt. Und aus Stolz auf unsere Entscheidung, fair gehandelte T-Shirts gekauft zu haben, habe ich mir den "code of conduct" - also die Regeln nach denen der Hersteller produzieren lässt - noch einmal durchgelesen.

Diese Regeln wären in Deutschland nicht durchsetzbar! Und das ist keine Polemik, ich könnte mir die Mühe machen und Zitate von wichtigen Wortführern aus Politik und Wirtschaft zusammentragen, aber die Mindestlohndebatte hat wohl jeder noch im Ohr.

Ich lese zum Beispiel von einem garantierten Mindesteinkommen, welches dazu ausreicht, die Grundbedürfnisse des Arbeiters und seiner Familie zu befriedigen. In unserem fortschrittlichen Land werden immer mehr Löhne durch staatliche Zuschüsse aufgestockt, damit wenigstens EINE Person davon leben kann. Höhnisches Lachen schallt durch die Führungsetagen der Konzerne, deren Produkte auf diese Weise subventioniert werden, damit wir Exportweltmeister bleiben und die Löhne in den anderen Ländern auch drücken können.

Oder ich lese davon, dass es jedem Mitarbeiter freigestellt ist, sich in Gewerkschaften oder anderen Organisationen zu engagieren, ohne dass dies eine Auswirkung auf seinen Arbeitsplatz haben darf. In unserem freien Land ist es inzwischen üblich, Gewerkschafter zu bespitzeln, zu entlassen oder Betriebsräte erst gar nicht zu zu lassen. Manche Betriebe ziehen es vor, eigene Pseudo-Gewerkschaften zu gründen, die dann bei Tarifverhandlungen skandieren: "Drei Euro sind doch auch schon fair!"

In den Betrieben, die für unseren T-Shirt Hersteller arbeiten, werden keine Arbeitsverträge gemacht, die die gesetzlichen Vorschriften zu Sozialversicherungen umgehen. Probeverträge werden nur gemacht, wenn eine tatsächliche Übernahme geplant ist. Jeder Mitarbeiter hat das Recht zur Teilnahme an Weiterbildungen und Trainings. In unserem glücklichen Land schießen Zeitarbeitsfirmen wie Pilze aus dem Boden, werden Praktikanten schamlos als billige Arbeitskräfte genutzt und Weiterbildungen sind als Zwangsmaßnahme für Arbeitslose etabliert und gehören zum festen Instrumentarium der Arbeitsmarktstatisten, die damit hervorragend die Arbeitslosenzahlen drücken können.

Natürlich werden die Waren durch solche Menschenrechte teurer. Natürlich ist Deutschland unter Anderem Exportweltmeister, weil diese Rechte hier immer weniger Anwendung finden und natürlich zwingen wir dadurch andere Länder in der Europäischen Union, die Löhne gleichfalls zu drücken und die Lebens- und Arbeitsumstände zu verschlechtern.

Alles zum Wohle der Wirtschaft.

Aber warum? Warum tun wir so viel zum Wohle der Wirtschaft und fangen nicht endlich damit an, uns auf unser eigenes Wohl zu besinnen? Warum definieren wir unsere Lebensqualität über den Außenhandelsüberschuss und nicht über das, was wir gemeinsam -also wir alle, wir Menschen - schaffen könnten, wenn wir endlich zusammenarbeiten würden an einer florierenden Menschheit.

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